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Die Geschichte der Lepra

Eine der ältesten Krankheit der Menschheit

1750 v. Chr.

Der Kodex Hammurapi, eine Rechtssammlung König Hammurapis von Babylon (1810 v. Chr.; † 1750 v. Chr.), ist eine der ältesten Gesetzessammlungen der Welt. In diesem Kodex taucht der Begriff für Lepra erstmals zur gesetzlichen Regelung des Ausschlusses von Erkrankten aus der Gesellschaft auf.

 

600 v. Chr.

Die älteste authentische Beschreibung der Krankheit stammt aus Indien. In der aus dem 6. Jahrhundert vor Christus stammenden medizinischen Abhandlung von Sucruta wird die Lepra als "kushtha" benannt, was im Sanscrit "zerfressen" heisst.

 

In der Bibel, im 3. Buch Mose, taucht der Begriff "tsaraath" auf, der mit Aussatz übersetzt wurde aber vermutlich ein Sammelbegriff für verschiedene Hautveränderungen ist. Es wird beschrieben, wie man den Aussatz diagnostiziert, wie sich die Betroffenen verhalten und wie sie aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden sollen. Auch die Gesetze zur Reinigung nach der Genesung werden aufgezählt. Diese strengen Gesetze dienten in der Folge in mehreren Ländern als Modell.

 

400 v. Chr.

In China findet man die erste Erwähnung über die Lepra in einer alten medizinischen Schrift.

 

Man nimmt an, dass die Krankheit durch die Soldaten Alexander des Grossen im Jahre 327 v. Chr. auf dem Feldzug nach Indien in Griechenland Einzug fand.

 

200 v. Chr.

Der erste Beweis einer unwiderlegbaren Knochenverstümmelung durch Lepra wurde bei einer ägyptischen Mumie aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. gefunden.

 

100 v. Chr.

Man nimmt an, dass die Soldaten von Pompejus, aus Ägypten zurückkehrend, die Lepra nach Italien miteingeschleppt haben.

In der Folge verbreitete sich der Aussatz in ganz Europa durch die Entwicklung des Handels und Güteraustausches.

 

100 n. Chr.

Im Neuen Testament werden mehrere Heilungen von Leprakranken durch Jesus erwähnt.

 

600 n. Chr.

Im Mittelalter wurden im 6. Jahrhundert in einem Edikt des Lombardischen Königreiches erste beunruhigende Zeichen gefunden. Skelette aus dieser Zeit tragen Spuren von Lepraverstümmelungen.

 

800 n. Chr.

Im Jahre 789 n.Chr. erliess Karl der Grosse eine Verfügung, die Leprakranken verbot, sich unter die Bevölkerung zu mischen.

 

1100 n. Chr.

Im 11. Jahrhundert erreichte diese Geissel der Menschheit durch die Kreuzzüge eine bisher unbekannte Intensität, drang von einem Ende Europas bis ins andere und fasste festen Fuss. Im Allgemeinen hatten die Städte, Burgen und Dörfer die Pflicht, jedem Leprakranken eine auf Pfählen gebaute Holzhütte zu bauen. Nach dem Tod des Inhabers wurden diese Hütten samt allem Inhalt verbrannt. Als die Anzahl der Kranken zunahm, schirmte man sie in so genannte Siechenhäuser, Leprosarien ab. Die Überwachung wurde übersichtlicher und einfacher, die Gesetze der Absonderung noch strenger, die Betreuung geregelter.

 

1300 n. Chr.

Im 13. Jahrhundert gab es im Raume der christlichen Welt ca. 19'000 Einrichtungen, die ausschliesslich für Leprakranke bestimmt waren.

Durch den König St. Ludwig ermutigt, stellte sich der Orden der Lazarither in den Dienst der Leprakranken.

 

1500 n. Chr.

In Europa begann gegen Ende des 15. Jahrhunderts die Lepra rückläufig zu werden. Nach und nach wurden die Leprosarien zerstört oder für andere Zwecke eingesetzt.

 

1600 n. Chr.

Im 16. Jahrhundert wurde die Lepra durch die Einwanderer aus Europa nach Nordamerika verschleppt. Später häuften sich die Infektionsquellen durch die Einfuhr der Sklaven aus Afrika an und die Lepra verbreitete sich über den ganzen Nord- wie Südamerikanischen Kontinent aus, im besonderen betroffen war Brasilien.

 

1873 n. Chr.

Entdeckung des Krankheitserregers, des Bakteriums Mycobacterium leprae, durch den norwegischen Arzt Gerhard Armauer Hansen.

 

1927 n. Chr.

Mit dem Tod des letzten registrierten Leprakranken in der Schweiz verschwindet die Lepra am 16. Mai 1927 definitiv aus unserem Land.

 

1981 n. Chr.

Zur Behandlung der Lepra wird erstmals die Kombinations-Therapie (Multi-Drug-Therapy, MDT) eingesetzt. MDT besteht aus den drei Wirkstoffen Dapson, Rifampicin und Clofazimin.

 

Heute 

Seit 1981 wurden über 15 Millionen Menschen von Lepra geheilt!

Aber die Lepra existiert immer noch! Jede Stunde erkranken weltweit mehr als 30 Menschen.

 

99% der Leprakranken leben in Entwicklungs- und Schwellenländern. Lepra ist in rund 25 Ländern ein Gesundheitsproblem. Die meisten Neuerkrankungen haben Indien, Brasilien, Indonesien, DR Kongo, Bangladesch, Nigeria und Nepal (Quelle WHO 2008).


Kodex Hammurabi, schwarzer Basaltstein
Kodex Hammurabi


Miniatur aus einer franz. Übersetzung des Speculum historiale von Vinzenz von Beauvais vom Anfang des 14. Jhs., Reproduktion aus: Le Goff, Jacques: Kultur des europäischen Mittelalters (La civilisation de l'Occident médiévale)
Ein Leprakranker (mit Ratsche) und ein Gehbehinderter betteln vor dem Stadttor. Miniatur frühes 14. Jh.


Der heilige Martin umarmt einen Leprösen


Siechenhauses bei St. Jakob an der Birs (im 13. Jahrhundert erstmals erwähnt)


Siechenhaus Burgdorf Kanton Bern (ersmals erwähnt im Jahr 1316)


Gerhard Henrik Armauer Hansen, Entdecker des Lepra-Erregers "Mycobacterium leprae"

Evangelische Lepra-Mission | Schweizer Zweig der Leprosy Mission International (TLMI)
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