Schweizer Allianz gegen Lepra und weitere Krankheiten

Schweiz nimmt Verantwortung gegen Tropenkrankheiten wahr

Zwölf Schweizer NGOs, darunter die Lepra-Mission Schweiz, Bildungsinstitute wie das Genfer Universitätsspital sowie Teile der Uni Zürich und Neuenburg sowie Pharmafirmen schliessen sich im Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten zusammen. Am 20. April wird in Genf der Verein «Swiss Alliance against Neglected Tropical Diseases» gegründet.


Herzogenbuchsee, 20. April 2017. «Niemanden zurücklassen – diesen Leitsatz formulierten die Vereinten Nationen mit den nachhaltigen Entwicklungszielen. Erreicht wird das aber nur, wenn auch die Milliarde Menschen, die weltweit unter vernachlässigten Tropenkrankheiten leiden, Unterstützung bekommen», betont Markus Freudiger, Geschäftsleiter der Lepra-Mission Schweiz, welche zu den Mitbegründern des Vereins «Swiss Alliance against Neglected Tropical Diseases» gehört, der am 20. April 2017 in Genf gegründet wird.

Die zwölf Entwicklungsorganisationen, Forschungsinstitute und Unternehmen widmen sich dem Kampf gegen vernachlässigte Tropenkrankheiten, erklärt Freudiger. Und dies ist nötig: «Jeder siebte Mensch weltweit leidet unter einer oder mehreren vernachlässigten Tropenkrankheiten oder unter deren Folgen.» Zu den bekanntesten zählen Lepra, Dengue Fieber und Flussblindheit. «Besonders schwer ist diese Bürde für die ärmsten, verletzlichsten und am meisten abgelegen lebenden Menschen der Welt.» Durch das gemeinsame Einstehen der zwölf Partner «wollen wir diese Menschen besser sichtbar machen und ein starkes Zeichen setzen, um den Kampf gegen die vernachlässigten Tropenkrankheiten voranzutreiben.»

Niemand soll zurückgelassen werden
Millionen von Menschen werden durch vernachlässigte Tropenkrankheiten behindert, stigmatisiert, aus dem Arbeitsleben oder der Schule gerissen, ihrer produktivsten Jahre beraubt. Jedes Jahr sterben weltweit mehr als 170‘000 Menschen an diesen Krankheiten. Zu jenen, die am weitesten verbreitet sind, gehört Lepra. Diese Krankheit könnte besiegt werden, derzeit steckt sich aber immer noch alle rund zwei Minuten ein Mensch damit an.

«Unsere Vision ist eine Welt, in der niemand mehr an einer vernachlässigten Tropenkrankheit leiden muss», erklärt Peter Steinmann, Public Health Specialist beim Swiss Tropical and Public Health Institute und Mitglied des Gründungskomitees. «Um dieses Ziel zu erreichen, muss der Zugang der betroffenen Menschen zu bestehenden und neuen Medikamenten sichergestellt werden.» Zwar haben sich die Programme zur Bekämpfung von vernachlässigten Tropenkrankheiten in den letzten Jahren weiterentwickelt, die Datenlage hat sich verbessert, die verschiedenen Werkzeuge wurden besser koordiniert. «Um aber den entscheidenden Schritt weiter zu kommen, muss das globale Bewusstsein für vernachlässigte Tropenkrankheiten stärker werden. Es gilt neue und benutzerfreundliche Medikamente, Diagnosetechniken und medizinische Eingriffe zu entwickeln. Zudem muss die riesige Investitionslücke überwunden werden», so Steinmann.

Schulterschluss gegen Tropenkrankheiten
Der Schulterschluss gegen die vernachlässigten Tropenkrankheiten soll ein Zeichen der Solidarität gegenüber den betroffenen Menschen sein. Markus Freudiger: «Als Lepra-Mission wollen wir den jahrzehntealten Kampf gegen Lepra und andere Krankheiten fortsetzten. Gemeinsam stehen wir für die Schweizer Verpflichtung, niemanden zurückzulassen.» Daniel Gerber/David Maurer

Die Folgen von Lepra

Mitglieder der Allianz

Zu den Mitgliedern der Swiss Alliance against Neglected Tropical Diseases zählen das Swiss Tropical and Public Health Institute, Sektionen der Universitäten Zürich und Neuchâtel, die Non-Profit-Organisationen FIND, Drugs for Neglected Tropical Diseases Initiative, Lepra-Mission Schweiz und FAIRMED, die Universitätsspitäler Genf, das Global Health Institute (EPFL), die internationale Anti-Lepra-Organisation ILEP sowie die Pharmafirmen Novartis und Merck.

Vernachlässigte Tropenkrankheiten

Vernachlässigte Tropenkrankheiten (engl. «Neglected Tropcial Diseases», kurz NTDs) wie beispielsweise Lepra, Flussblindheit, Elephantiasis, Schlafkrankheit, Darmparasiten, Tollwut und Schistosomiasis betreffen in erster Linie die ärmsten Teile der Weltbevölkerung. NTDs treten vor allem dort auf, wo es an medizinischer Versorgung, sanitären Einrichtungen und sauberem Trinkwasser fehlt. Die Krankheiten führen meist nicht direkt zum Tod, verursachen aber Blindheit, Entstellungen und Behinderungen. Betroffene Kinder können nicht mehr mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern mithalten, Erwachsene können nur noch unregelmässig einer Erwerbstätigkeit nachgehen.

Constituent meeting on the 20th of April 2017, Geneva