«Lepra, wo ist dein Stachel?»

Dan Izzett, Leprabetroffener und Pastor aus Simbabwe besuchte uns mit seiner Frau Babs für Vorträge in Gemeinden und Schulklassen.  Sie beide und ihre Lebensgeschichte sind zu Ermutigung für viele Menschen geworden.  In einem sehr persönlichen Gespräch haben sie uns nochmals einen berührenden Einblick geschenkt.

 

 

Dan, Babs, Ihr seid  mehrere Wochen  auf Vortragstournee gewesen, seid vielen Menschen begegnet - eine grosse Herausforderung. Wie habt ihr euch vorbereitet?

Dan: Wir besuchten viele Kirchengemeinden und Schulklassen. Es war uns wichtig, dass wir für jede Gruppe etwas Persönliches hatten.

Babs: Wir bereiteten uns im Gebet vor, und viele Freunde fragten: «Wie können wir beten?» Das war im Vorfeld das Wichtigste. Ja, die wichtigste Vorbereitung war beten.

 

Wie habt ihr diese Zeit erlebt?

Dan: Wir liebten es. Es ist ein Privileg zu erzählen, was Gott in unserem Leben tut und von seiner Güte zu berichten.

Babs: Was mir sehr gut gefällt ist, dass wir viele junge Pfarrer getroffen haben, die für Gott brennen. Das ist sehr erfreulich. Denn viele Menschen sind hungrig nach Gott.

 

Ihr gabt viel Persönliches von euch preis, wie erlebtet ihr diese Begegnungen?

Dan: Solche Meetings stimulieren mich. Und es ist ein Privileg, das Leben mit anderen zu teilen. Es ist bereichernd und herausfordernd, denn manches ist sehr persönlich, manches würde man öffentlich nie besprechen. Doch wir sehen uns als Zeugen.

Babs: Wir fühlten uns nie abgelehnt, es war eine wunderbare Akzeptanz. Eine wahre Liebe für Menschen, ja wir fühlten uns geliebt.  Manche Leute waren erst etwas nervös, doch nach dem Vortrag wurden wir umarmt.

 

Habt ihr etwas, das euch besonders berührt hat auf dieser Tournee?

Babs: Diese liebende Akzeptanz und der Wille zu zuhören.

Dan: Ja, dies besonders in den Schulen. Ich war ja auch mal ein Teenager…  aber diese jungen Menschen hörten zu. Vermutlich mehr als ich früher zuhörte. Schule ist Pflicht, nicht immer geliebt, und so treibt man manchmal halt Schabernack. Aber nicht hier! Es war ganz still.  Sie zeigten Interesse, stellten Fragen bis die Glocke klingelte. Besonders unser Quiz kam gut an. Es war ein Geben und Nehmen, wir konnten auch viel zusammen lachen.

 

Gibt es etwas, dass du unseren Freunden der Lepra-Mission mitgeben willst?

Dan: Ich danke euch für eure Hilfe für Leprabetroffene. Ihr wohnt tausende Kilometer weit weg, ihr betet und unterstützt uns. Diese Hilfe verändert Leben rund um den Erdball. Es ist wie eine Flaschenpost: man wirft eine Flasche in das Meer ohne zu wissen, wohin sie geht. Oft kommt erst Jahre später die Antwort.

 

Du hast deine Biographie „Ein Mann, ein Bein“ veröffentlicht, wie war diese Zeit des Erinnerns für dich und deine Familie?

Dan: Es war sehr interessant, mein Leben so im Rückblick zu sehen. Ich konnte erkennen, wie Gott stets mit mir war, wie meine Familie zu mir gestanden ist  und wie die Freunde zu uns gehalten haben. Die Gespräche mit Daniel Gerber (Co-Autor) brachten mir viele schöne Erinnerungen an Menschen und Begebenheiten zurück. Aber manchmal war es auch schmerzvoll.

 

Aber auch in den Vorträgen war es speziell. So fragte mich jemand, wie es war Lepra zu haben, was in mir vorging als ich erfuhr, dass ich meine Frau angsteckt hatte. Wie ich mich fühlte, als es darum ging, dass ich auch mein zweites Bein verlieren könnte. Ob es dramatisch war. – Ja, das alles war sehr dramatisch. Denn so ist unser Leben, die Augen werden zum Ohr, mit dem das Herz hört. Doch welche Frage wir auch haben: «Peace, be still», gebot Jesus damals im Sturm, als die Jünger im Boot von Todesangst erfüllt waren. Es ist wichtig, seine Stimme, die diese Worte des Friedens sagt, im Herzen zu tragen.

 

Babs, ohne dich wäre für Dan vieles nicht möglich. Und doch kannst und willst Du ihm nicht alles abnehmen – ist das eine schwierige Gratwanderung?

Babs: Ja, das ist schwierig, ich will ihn nicht bemuttern, aber dennoch wissen, sehen, was er gerade tut. Sein Wille nach Selbständigkeit und mein Helferwille: ja - das ist eine schwierige Balance. Doch es ist gut für ihn, das hin und wieder zu hören.

Dan: Ich weiss, sie nicht meine Mutter, aber in manchen Fällen brauche ich die mütterliche Seite.

Babs: Zum Beispiel beim Kochen.

Dan: Hm, manchmal, wenn ich mich aus Versehen gebrannt habe, versuche ich das zu verstecken.

 

Lepra hat euch herausgefordert, doch Gott hat eine tiefe Spur des Segens in euer Leben gelegt. Gab es aber auch Momente des Haderns und der Verzweiflung?

Babs: Definitiv. Zum Beispiel als wir bei Dan‘s Mutter in Kapstadt waren, und sie fragte, warum er immer mit Schmerz leben muss. Dann kommen solche Gefühle, aber sie bleiben nicht lange. Denn dann hört man die Stimme: «Peace, be still».

Dan:  Bei mir, als mir ein Arzt an einem Samstag sagte, dass wohl eine zweite Amputation nötig wird. Ich konnte es Babs erst am Montag sagen. Weil es eine neue grosse Herausforderung war: nach einer zweiten Amputation würde ich 60 Prozent mehr Probleme haben, nach der ersten waren es schon 30 Prozent.

 

Wie blickt ihr in die Zukunft?

Dan: Ich will ein Advokat für die Leprabetroffenen sein, eine Stimme für die Stimmlosen.  Wir gehen dorthin, wo wir eingeladen werden. Von der Schweiz aus geht es jetzt noch nach Belgien, Frankreich, Niederlande, England und Schottland.  Und wir freuen uns auf unsere Kinder und Enkelkinder,  die in England leben. Wir werden mit ihnen die Weihnachtszeit und Neujahr verbringen.

Babs:  Jetzt haben wir mehr Zeit, all dies zu tun. Wir haben seit kurzem in Harare (Hauptstadt von Simbabwe) zwei junge Ärzte, die sich um Leprabetroffene  kümmern.

Dan: Wir sind ein Werkzeug, das die Menschen gebrauchen können. Im nächsten Jahr bin ich Mitglied des amerikanischen Lepra-Mission-Vorstandes.

Dan, Babs, herzlichen Dank für Eure offenen Worte und Euer Vertrauen. Wir wünschen Euch Gottes Segen für Eure weitere Zeit in Europa und Eure Zukunft!

StopArmut Konferenz Biel
Zentrum Ländli Oberägeri
Schulunterricht in Grabs
Dan und Babs Izzett
Vortrag in der Thomaskirche Basel
Jugendliche in Grabs
Dan Izzett mit Co-Autor Daniel Gerber
Gottesdienst in Effretikon
Dan und Babs geniessen die Schweiz