Der Krankheitserreger

Die Lepra ist eine Infektionskrankheit, hervorgerufen durch den Bazillus Mycobacterium leprae, der im Jahr 1873 durch Dr. Hansen entdeckt worden ist.

Der Leprabazillus, gemeinhin als Hansenbazillus genannt, ist ein naher Verwandter des Tuberkulose-Bazillus.

Er ruft eine chronische Krankheit hervor, welche die Haut befällt und die angrenzenden Nerven unempfindlich werden lässt. Die langsame Entwicklung der Krankheit führt zu Deformationen und Verstümmelungen.

Wie wird Lepra übertragen?

Die Lepra überträgt sich über einen längeren direkten Kontakt mit einem Leprakranken, vor allem durch Tröpfcheninfektion aus der Mund- und Nasenschleimhaut.

Der Bazillus kann während mehreren Tagen aktiv und beim Niesen durch Tropfenstreuung im Staub verbleiben.

Die Inkubationszeit ist lang. Sie beträgt durchschnittlich 3-5 Jahre, in Extremfällen bis zu 40 Jahren. Dies bedeutet, dass jemand jahrelang ohne Symptome (und daher ohne es zu merken) den Bazillus in sich tragen und andere anstecken kann.

Diverse Faktoren wie enges Zusammenwohnen, mangelnde Hygiene und schlechte Ernährung erleichtern die Übertragung. Lepra ist jedoch nicht eine leicht übertragbare Krankheit. Mehr als 90% der Menschen besitzen eine natürliche Resistenz.

Die Symptome

Einige Früh-Symptome

  • Helle oder gerötete Flecken auf der Haut, die sich taub anfühlen
  • Kribbeln und Prickeln oder brennende Schmerzen in Händen und Füssen
  • Reduzierte Fingerbeweglichkeit. Kleine Gegenstände werden fallen gelassen
  • Vermehrtes Nasensekret

Weitere Symptome

  • Trockene Haut
  • Neuritis (Entzündung des betroffenen Nervs mit sehr starken Schmerzen)
  • Fallfuss, Klauenhand (Lähmung der Muskeln und Befall von Knochen und Sehnen deformieren die Glieder).

Verletzungen und Verlust von Gliedmassen

Weil Lepra die peripheren Nerven angreift, geht das Schmerzempfinden verloren. Dies führt zu:

  • Verbrennungen
  • Verletzungen
  • Geschwüren
  • Gliederverlust
  • Blindheit

Die Betroffenen merken erst im Nachhinein, wenn sie sich verletzten oder verbrennen. Sogar aus kleinen Wunden oder Verbrennungen können chronische Entzündungen entstehen, welche zum Verlust von Gliedmassen führen. Wenn als Folge der zerstörten Nerven das Augenlid nicht mehr geschlossen werden kann, verursacht dies Erblindung.

Die Früherkennung

Die Früherkennung der Krankheit erleichtert die Behandlung und beugt grossen und bleibenden Nervenbeschädigungen vor. 

Zur Untersuchung gehören:

  • Körper auf Hautflecken untersuchen
  • Testen, ob Hautflecken gefühllos sind
  • Augen, Gesicht, Hände und Füsse auf Veränderung untersuchen
  • Hautabstrich im Labor analysieren

Die Behandlung

Lepra ist heute medizinisch relativ leicht zu behandeln. 

Früher wurde die Krankheit mittels Sulfonen behandelt. Heute wird generell die kombinierte Antibiotikatherapie (MDT) angewendet. Es handelt sich um eine Kombination von Rifampicin, Clofazimin und Dapson, welche die Bakterien töten und die Krankheit stoppen. 

Die Patientin/der Patient ist bereits 24 Stunden nach der ersten Dosis nicht mehr ansteckend. Durch die Behandlung werden zwar die Bakterien abgetötet, aber die Behinderungen bleiben. 

Andere Behandlungsaspekte sind:

  • Pflege von Geschwüren
  • Herstellung von Schutz-Sandalen
  • Moralische Unterstützung der Patienten und ihrer Angehörigen
  • Physiotherapie, damit die Patienten lernen, die von der Krankheit betroffenen Glieder wieder zu gebrauchen
  • Wiederherstellungschirurgie
  • Genaue und regelmässige Untersuchung der Augen, des Gesichts, der Hände und Füsse um Infektionen und Behinderungen vorzubeugen

Die Vorbeugung

Gibt es einen Impfstoff?

NEIN! Der Bazillus kann bisher nicht gezüchtet werden. Einige Verbindungen werden geprüft:

  • Benützung des Tuberkulose-Impfstoffes
  • Benützung der genetischen Kenntnisse; erst seit kurzem konnte das Genom des Mycobacterium leprae entziffert werden, was neue Wege für einen Impfstoff eröffnen könnte

 

Herausforderungen von heute:

  • Möglichst rasche Früherkennung
  • Alle Gebiete (auch entlegene) noch besser mit Medikamenten zu versorgen
  • Information über die kostenlose Behandlung (Novartis stellt die MDT allen leprakranken Menschen auf der Welt gratis zur Verfügung)
  • Prophylaktische Behandlung der Kontakte
  • Verbesserung der Ausbildung des Personals der Gesundheitsdienste

 

Ziele der WHO:

Eliminierung der Lepra als Gesundheitsproblem indem die Leprafälle proportional zur Bevölkerung reduziert werden. Der medizinische Ausdruck dafür heisst Prävalenz. 
Diese Prävalenz muss auf 1 Leprafall per 10'000 Einwohner reduziert werden, damit die Übertragung der Krankheit in einem geografischen Sektor unterbrochen wird und die Krankheit ausstirbt.

Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der Weltgesundheitsorganisation: http://www.who.int/lep/en/